Neues aus der GQMG
- Rückblick auf die GQMG-Jahrestagung 2025
- Einblicke in das Excellence Framework Europe (EFE): Praxisorientierte Ansätze zur Unternehmensqualität
- Strategische Weiterentwicklung der GQMG: Vorstandstreffen in München
- GQMG-Interviewpodcast – neue Episoden online
- GQMG-Wissenssnack
Aktuelles
- Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem steigt
- Liefert die Gesundheitsversorgung?
- Ambulant oder stationär?
- Alle ICD-Codes Patientenverständlich erläutert
- Aktuelles aus der Schweiz
- Berufliches, Persönliches
- Buchempfehlung
- CIRS-Fälle
- Aus der Normenschmiede
- ZEFQ
- Veranstaltungen und Seminare
- Stellenangebote
Neues aus der GQMG
Rückblick auf die GQMG-Jahrestagung 2025
Die GQMG-Jahrestagung 2025 liegt hinter uns – eine Veranstaltung voller inspirierender Impulse, intensivem Austausch und wertvollem Networking. Über 220 Teilnehmende kamen in Hamburg zusammen, und die positive Atmosphäre machte die Tagung zu einem besonderen Erlebnis. Der erste Tag begann mit gut besuchten Pre-Conference-Seminaren, die ein breites Themenspektrum abdeckten. Angeboten wurden die Themen „Risikoaudits – ein entscheidendes Werkzeug zur Stärkung der Patientensicherheit“, „Relaunch der Dokumentenlenkung an einem Universitätsklinikum“, „Das Neueste aus Berlin – aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik“ sowie „Die DIN EN ISO 9001 – Verständnis und Umsetzung verschiedener Anforderungen unter Einbeziehung der ISO 10013“.
Im Eröffnungsplenum beleuchtete Prof. Jens Scholz die aktuellen Rahmenbedingungen unseres Gesundheitswesens und speziell die Rolle der Universitätskliniken nach der Krankenhausreform. Er thematisierte den qualitativen Outcome im Kontext der wirtschaftlichen und personellen Herausforderungen, die Sonderstellung der Universitätsmedizin sowie Reformziele aus deren Perspektive. Anschließend stellte Prof. Michael Greiling das Konzept der Operational Excellence und die digitale Zukunft der Prozessoptimierung vor. Er stellte das in seinem Institut entwickelte Modell des Workflow-Managements vor, das für die studentische Lehre genutzt wird und mit Hilfe integrierter Werkzeuge bei der Optimierung von Prozessen spielt. Er zeigte damit, wie digitale Lösungen dazu beitragen können, schlanke und stabile Abläufe in Kliniken zu etablieren.
Never Events – schwerwiegende, aber vermeidbare unerwünschte Ereignisse – wurden in einem der zahlreichen Workshops als zentrales Thema der Patientensicherheit diskutiert. Neben der Einführung eines Melderegisters standen auch wirtschaftliche, juristische und kommunikative Aspekte und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung von Präventionsmaßnahmen im Fokus.
Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit der Lego® Serious Play® Methode als kreativem Ansatz für das Qualitätsmanagement. Die Teilnehmenden erlebten, wie durch „Denken mit den Händen“ komplexe Fragestellungen spielerisch bearbeitet werden können. Mithilfe von Lego-Modellen entwickelten sie gemeinsam neue Perspektiven und Lösungsansätze für den QM-Alltag. Diese interaktive Methode bot wertvolle Impulse für die praktische Arbeit und förderte den kreativen Austausch unter den Teilnehmenden.
Den Abschluss des Tages bildete ein besonderer Vortrag. Inspirierend beschrieb Lutz Herkenrath –bekannter Schauspieler und Coach - „Wie man ein guter Elefantenführer wird“ und begeisterte das Publikum und berührte es auf emotionaler Ebene. Der langanhaltende Applaus am Ende belohnte das beeindruckende Highlight!
In einem 90-minütigen interaktiven Workshop lernten die Teilnehmenden den professionellen Umgang mit Schadenfällen in Kliniken. Der Fokus lag auf Regeluntreue, also dem Nichteinhalten von Standards und Vorgaben. Anhand konkreter Fallbeispiele wurden Strategien entwickelt, um Verstöße frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Die Ergebnisse wurden gemeinsam diskutiert und visualisiert, wodurch ein lebendiger Austausch entstand.
Eine weitere parallele Session widmete sich der psychologischen Sicherheit im Gesundheitswesen. Es wurde erörtert, warum dieser Begriff unterschiedlich verstanden wird und welche Faktoren Führungskräfte und Qualitätsmanager motivieren, eine sichere und offene Fehlerkultur zu fördern. Besonders beleuchtet wurde die Rolle von Führungskräften und wie Qualitäts- und Risikomanagementbeauftragte aktiv Einfluss auf psychologische Sicherheit in ihren Einrichtungen nehmen können. Durch praxisnahe Erklärungsansätze aus der Persönlichkeits- und Motivationspsychologie erhielten die Teilnehmenden wertvolle Impulse für ihre Arbeit.
Auch das Thema der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Krankenhaus wurde beleuchtet. Dabei wurde diskutiert, welche Nachhaltigkeitskennzahlen Krankenhäuser wählen sollten, um langfristig realisierbare Modelle zu entwickeln.
Prof. Erika Raab beschrieb im Abschlussplenum die hohe Komplexität, die Qualitäts- und Abrechnungsvorgaben im Gesundheitswesen inzwischen haben – verständlich, praxisnah und zum Schmunzeln. Prof. Ralf Kuhlen beleuchtete eindrucksvoll die Bedeutung von Ergebnisqualität mit internationalen Vergleichsdaten.
Der GQMG-Vorstand zog eine positive Bilanz zur Jahrestagung 2025. Die zahlreichen Referenten, Moderatoren und Teilnehmer bereicherten die Veranstaltung mit kreativen Ideen, lebendigen und praxisnahen Diskussionen. Die vielen positiven Rückmeldungen bestätigen dies. Besonderer Dank gilt der MSH Medical School Hamburg, die die GQMG erneut in ihren modernen Räumen und dem Goldenen Ei beherbergten und mit ihrem engagierten Team bei der Organisation unterstützten.
Die Vorfreude auf die Jahrestagung 2026 ist bereits groß – bis nächstes Jahr!
Einblicke in das Excellence Framework Europe (EFE): Praxisorientierte Ansätze zur Unternehmensqualität
Am 11. März 2025 fand im Rahmen der GQMGimpuls-Reihe eine Online-Veranstaltung mit 20 Teilnehmenden statt. Referent André Moll, Geschäftsführer der Initiative Ludwig Erhard Preis, stellte das Excellence Framework Europe (EFE) vor. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jan Richter.
Das EFE ist ein neues, modelloffenes Konzept zur Bewertung der Unternehmensqualität. Moll erläuterte die Vorteile des Frameworks, das eine einfache und praxisnahe Reifegradbewertung ermöglicht. Es wurde von führenden Exzellenz-Preisausrichtern gemeinsam entwickelt und erlaubt die Einbindung von Mitarbeitenden ohne aufwendige Schulungen. Zudem präsentierte Moll erste Erfahrungen aus fast 20 durchgeführten Assessments.
In der anschließenden Diskussion wurden Anwendungsmöglichkeiten und Implementierungsstrategien des Frameworks erörtert. Die Teilnehmenden zeigten großes Interesse an der flexiblen Nutzung des EFE in verschiedenen Organisationen. Die Veranstaltung bot wertvolle Einblicke in das Excellence Framework Europe und verdeutlichte dessen Potenzial zur Förderung der Unternehmensqualität.
Für Interessierte steht das Handout zum Download auf unserer Webseite zur Verfügung.
Strategische Weiterentwicklung der GQMG: Vorstandstreffen in München
Kontinuierlich muss unsere Fachgesellschaft weiterentwickelt werden. Dazu trafen sich am 7. und 8. Februar 2025 alle Vorstandsmitglieder mit einigen Gästen in München. Neben den üblichen Themen wurde intensiv über die Weiterentwicklung der Geschäftsstelle, der Internetseite, des Newsletters und der Abwicklung der Jahrestagung diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass – nachdem einige Jahre vergangen sind – auch die strategische Ausrichtung erneut überdacht und formuliert werden soll. Die verbesserte Sichtbarkeit der GQMG, insbesondere auf LinkedIn, wurde als positiv beurteilt. Dabei soll es jedoch nicht bleiben, um sich stärker in gesundheitspolitische Entwicklungen einbringen zu können und mehr Einfluss auf gesetzliche und untergesetzliche Regelungen zu erlangen. Aber auch die Stärkung und Schärfung des wissenschaftlichen Profils der GQMG stand als Tagesordnungspunkt zur Beratung an. Und um den QM-Nachwuchs will sich der Vorstand stärker kümmern. Neue Ideen und Impulse sind herzlich willkommen!
GQMG-Interviewpodcast – neue Episoden online
Episode 29: Elea – Software auf der Basis von Sprache
In dieser Episode sprechen Oliver Steidle und Thomas Petzold mit Dr. Sebastian Casu über Elea. Dr. Casu ist CMO von Elea.ai und Chefarzt der klinischen Notfall- und Akutmedizin am Asklepios Klinikum Wandsbek. Das Ziel von Elea ist es, Ärzten und Pflegekräften mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung zu geben.
Dr. Casu betont: "Wenn Menschen spüren, dass ein digitales System zu einer echten Assistenz wird, haben sie eine hohe intrinsische Motivation, sich anzupassen."
Elea nutzt fortschrittliche KI-Technologien, um Sprache zu verstehen, Dokumentation zu automatisieren und den gesamten Workflow zu optimieren. Sie ist als mobiles System konzipiert, um maximale Flexibilität zu gewährleisten. - Elea ist nicht auf ein bestimmtes Fachgebiet beschränkt, sondern in verschiedenen medizinischen Bereichen einsetzbar.
- der zentrale Aspekt in der Entwicklung ist die enge Zusammenarbeit mit dem medizinischen Personal.
- Elea bietet das Potential nicht nur innerhalb eines Krankenhauses angewandt zu werden, sondern auch für die Kommunikation mit Patienten im Lesen medizinischer Informationen.
Episode 30: Digitale Transformation – Kompetenzen für eine erfolgreiche Umsetzung
In dieser Episode spricht Dr. Shermineh Shahi über die Herausforderungen und notwendigen Kompetenzen für die digitale Transformation im Gesundheitswesen. Denn die digitale Transformation im Gesundheitswesen erfordert weit mehr als nur technisches Know-how. Entscheidend sind: - Analyse und Anpassung bestehender Prozesse
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Kommunikationsfähigkeit und Geduld
- Entwicklung einer ganzheitlichen Digitalstrategie
Führungskräfte müssen die verschiedenen Facetten der Digitalisierung verstehen, um ihr Team effektiv einzubinden. Nur so können wir den Fachkräftemangel bewältigen und die Patientenversorgung nachhaltig verbessern.
Dr. Shahi betont: Kliniken, die Digitalisierung als ganzheitliche Transformation begreifen, werden langfristig erfolgreicher sein. Die digitale Transformation ist unumgänglich, um den Fachkräftemangel zu bewältigen und die Patientenversorgung zu verbessern.
GQMG-Wissenssnack
Ambulant(isierung)
Bis ins 19. Jahrhundert wurden nur Gutgestellte zu Hause behandelt und gepflegt. Sie hatten genügend große Wohnungen mit angemessener sanitärer Ausstattung. Den ärmeren Menschen wurde Krankenhauspflege geboten – ein großer sozialer Fortschritt. Später wurden medizinische Innovationen nur in Hospitälern angeboten, weil sie zu aufwändig und gefährlich waren. Als sie sicherer und routinierter wurden und die sozialen Lebensverhältnisse sich verbesserten, traute man sich viele Behandlungen auch in der Arztpraxis zu. Man wurde krank zu Hause. Wer noch umhergehen kann (ambulant von lateinisch ambulatio – Spaziergang), muss nicht im Bett liegen.
Was bedeutet das für die Patienten? Sie verlieren die Pflege als Leistung. Von der Behandlung her mag das noch angehen, kann aber beschwerlich werden. Die Patienten müssen sich selbst versorgen. Ihre Wege werden länger, sie müssen öfters warten. Sie müssen ihre Befunde selbst einsammeln oder sich eventuell immer wieder transportieren lassen. Zu später Stunde werden sie aus der Behandlung nach Hause entlassen, wo niemand auf sie wartet.
Was bedeutet das für die Krankenhäuser? Viele tausend OPS-Leistungen, operative und diagnostische, wandern aus dem stationären in den ambulanten Bereich. Auch wenn Krankenhäuser solche Leistungen abrechnen dürfen, bleibt ein Effekt: die Pflege wird gestrichen - und der dazugehörige Umsatz.
Nicht die Leistung wird ambulantisiert, sondern der Patient. Krankenhauspflege als soziale Leistung fällt für viele Leistungen weg.
Für eine patientenorientierte Qualitätsmedizin müssen wir die Patienten identifizieren, die bei ambulanter Durchführung einen erhöhten Versorgungsaufwand haben wie Nachbetreuung und Nachsorge, einschließlich pflegerisch betreute Übernachtungen oder postoperative Patientenbesuche zu Hause, um den Heilungsverlauf, die Medikation oder Wunden zu kontrollieren.
Aktuelles
Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem steigt
Die bundesweit repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der TK zeigt: Fast jede beziehungsweise jeder Dritte ist aktuell mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht zufrieden (30 Prozent). Die Unzufriedenheit hat sich seit 2021 verdreifacht: Damals gaben nur 10 Prozent der Befragten an, mit dem Gesundheitswesen nicht zufrieden zu sein.
Liefert die Gesundheitsversorgung?
Ergebnisse der ersten internationalen Patientenbefragung der OECD (PaRIS)
Am 20. Februar 2025 stellte die OECD die Ergebnisse der ersten internationalen OECD-Umfrage zu Patienten mit chronischen Erkrankungen, den Patient-Reported Indicator Surveys (PaRIS), hervor. Es bestehe dringender Bedarf, die Gesundheitssysteme an die Bedürfnisse der wachsenden Zahl von Menschen mit chronischen Erkrankungen anzupassen.
In der Umfrage wurden Daten von rund 107.000 Patienten im Alter von 45 Jahren und älter sowie von 1.800 Hausarztpraxen in 19 Ländern erhoben. Ziel der Umfrage ist es, Aufschluss über die gesundheitlichen Ergebnisse und Erfahrungen von Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Arthritis, Diabetes, Herzerkrankungen oder Krebs zu geben, die in Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung behandelt werden.
82 % der an PaRIS teilnehmenden Nutzer der Primärversorgung leiden an mindestens einer chronischen Erkrankung, 52 % an mindestens zwei Erkrankungen und 27 % an drei oder mehr Erkrankungen.
In der Schweiz und in den USA berichten verglichen mit dem OECD-Durchschnitt mehr n Menschen über positive Erfahrungen mit der Gesundheitsversorgung und besseren Gesundheitsergebnissen (besonders Menschen ab 65 Jahren mit Medicare-Versicherung). Auch in Australien, Tschechien, Frankreich und Norwegen sind die Erfahrungen positiver und die Behandlungsergebnisse besser. Länder mit unterdurchschnittlichen Werten sind Griechenland, Island, Portugal, Rumänien und Wales (Vereinigtes Königreich).
PaRIS stellt fest, dass vier von zehn Patienten sich die Steuerung ihrer Gesundheit nicht selbst zutrauen. Sie wünschen sich, dass ihr Hausarzt ihnen mehr Zeit widmet. 45 % der Befragten haben im Gesundheitswesen negative Erfahrungen gemacht. Sie glauben, dass ihnen ein fehlender zeitnaher Termin, eine falsche oder verspätete Diagnose und Behandlung einen Schaden zugefügt haben könnte.
Weitere wichtige Highlights von PaRIS sind: - Das Wohlbefinden der Patienten verschlechtert sich mit zunehmender Anzahl chronischer Erkrankungen rapide.
- Die von den Patienten berichteten Erfahrungen weisen große geschlechtsspezifische Unterschiede auf. 74 % der Männer fühlen sich körperlich gesund, verglichen mit 65 % der Frauen. 86 % der Männer sind psychisch gesund, verglichen mit 81 % der Frauen. Dies bestätigt das geschlechtsspezifische Gesundheitsparadoxon: Frauen leben länger als Männer, klagen jedoch über eine schlechtere Gesundheit. Frauen vertrauen der Gesundheitsversorgung weniger und beklagen eine schlechte Versorgungsqualität.
Ambulant oder stationär?
Wer bleibt besser im Krankenhaus? Wer kann nach Hause? Das hat ein Forschungsteam aus Hamburg Gesundheitsexperten gefragt und untersucht, welche Faktoren das Angebot ambulanter Krankenhausleistungen in Deutschland beeinflussen. Die Studie zeigt: Ums Geld allein geht es nicht.
40 Prozent der Eingriffe, die von Niedergelassenen und von Krankenhäusern ambulant abgerechnet werden dürfen, wurden 2019 in Deutschland bevorzugt stationär vorgenommen. Bei einigen Eingriffen die stationäre Versorgung noch beliebter: 80 % der Hernien werden in Deutschland stationär operiert, in den Niederlanden und Dänemark sind es nur 15 Prozent.
Das Vergütungssystem ist einheitlich. Die Erträge sind es also nicht. Warum wird die stationäre Versorgung bevorzugt? Dieser Frage ging ein Forschungsteam des Hamburg Center for Health Economics der Universität Hamburg um Robert Messerle nach.
In den Interviews wurden als Einflussfaktoren die Erfahrung der Behandelnde und das qualifizierte und motivierte Personal, auf das sie sich stützen können, genannt. Wichtig war auch die Möglichkeit einer bruchlosen Nachsorge
Die Datenanalyse bestätigte, welch große Rolle das Leistungsspektrum eines Krankenhauses, seine Größe, die Anzahl der durchgeführten Eingriffe und die Infrastruktur der Notfallversorgung spielen. Auch demografische und sozioökonomische Faktoren, wie der Anteil an Einpersonenhaushalten in der Region und damit das Fehlen eines häuslichen Netzes mit angemessener Nachsorge haben einen großen Einfluss. Krankenhaus-interne Faktoren wie die Betten- und Personalkapazität der Krankenhäuser und die finanzielle Situation der Krankenhäuser, die Verfügbarkeit von qualifiziertem Pflegepersonal, regionale ambulante Versorgungsinfrastruktur und die Intensität der Abrechnungsprüfung durch Krankenkassen spielen in die Entscheidungen hinein.
Alle ICD-Codes patientenverständlich erläutert
Da freuen sich die Patienten, die sich an ihrer Behandlung mehr beteiligen wollen: die 14.309 Kodierungen der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems – kurz ICD – wurden mit ihrer Übersetzung ins Deutsche auch inhaltlich erklärt und kommentiert.
ICD-Codes dienen der Verschlüsslung der medizinischen Diagnosen für die Statistik. Patienten können damit wenig anfangen. Sie möchten aber wissen, was dahintersteckt. Unter der Regie des gemeinnützigen Unternehmens „Was hab ich?“ wurden die Codes geknackt und in einem Langtext erklärt. Diese gigantische Arbeit wurde in Kooperation mit vielen Fachleuten bewältigt. Ab sofort erhalten Patienten leicht verständliche Erklärungen ihrer Diagnosen auf gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit. Erstmals werden die ICD-Codes, die zum Beispiel auf Krankenscheinen oder Entlassbriefen stehen, patientengerecht erklärt. Das Angebot ist einmalig − leicht verständliche Erklärungen zu ICD- und OPS-Codes waren bislang nicht so leicht verfügbar.
Jetzt kann jeder nachlesen, was hinter 5-482.32 steckt: eine peranal endoskopisch-mikrochirurgisch ausgeführte Elektrokoagulation mit lokaler Exzision und Destruktion von erkranktem Gewebe des Rektums. Alles klar?
Aktuelles aus der Schweiz
Fehldiagnosen sind häufig in der Notfallmedizin und haben für unsere PatientInnen erhebliche Konsequenzen
Kann KI uns helfen, besser zu werden? Dieser Frage gingen Forscherinnen und Forscher in einer prospektiven, cluster-randomisierten Studie in vier Schweizer Notaufnahmen nach. 1204 PatienntInnen wurden entweder wie üblich diagnostiziert, oder mit Unterstützung durch das Beste am Markt verfügbare «general purpose diagnostic decision support system» Isabel Healthcare für 14 Tage nachverfolgt, um zu sehen, wie sich deren Krankheitsgeschichteweiterentwickelt. Outcomes waren verschiedene Indikatoren für Diagnosequalität, Aufwand, ökonomische Indikatoren, Patientenoutcomes wie Mortalität und length of stay (in der Notaufnahme und ggf. im Spital). Kein Unterschied. Nirgends. Die Forscherinnen und Forscher haben ein paar Hypothesen, woran das liegen kann – aber für den Moment interessiert den Studienleiter Wolf Hautz, Assoziierter Professor, Leitender Arzt Notfallmedizin, ärztlicher Leiter Rettungsdienst, wie die Fachwelt darüber denkt. In jedem Fall sollten wir an digitale Produkte und die KI die gleichen Massstäbe anlegen wie an Medikamente oder andere Interventionen. Eine retrospektive Fallserie und bunte Slides für den Vorstand ersetzten keine saubere klinische Forschung.
Systemanalyse klinischer Ereignisse: Das London-Protokoll 2024
Die Generierung, Verbreitung und Anwendung von Wissen ist eine Kernaufgabe von Patientensicherheit Schweiz. Das London-Protokoll ist ein Instrument zur Analyse von Fehlern und Ereignissen im Gesundheitswesen. Es verfolgt einen systemischen Ansatz, um die zugrunde liegenden Ursachen zu verstehen und ein erneutes Auftreten zu verhindern. Das Instrument findet weltweit breite Anwendung für Schulung und Ausbildung, Forschung und Analysen zur Unterstützung von Programmen zur Patient:innensicherheit.
Berufliches, Persönliches
Wechsel in der Geschäftsstellenleitung der GQMG
Zum 1. April übernimmt Bettina Horn-Schlüter erneut die Leitung der Geschäftsstelle der GQMG. Mit ihren Erfahrungen aus der vierjährigen Tätigkeit für die GQMG in den Jahren 1996-2000 und ihrer langjährigen Erfahrung als Sekretariatsleitung in der SQS uns BQS ist sie die Ansprechpartnerin für alle organisatorischen Anliegen und wird uns in unserer Vereinsarbeit unterstützen. Wir freuen uns, sie in dieser wichtigen Funktion willkommen zu heißen und wünschen ihr einen erfolgreichen Start!
Gleichzeitig verabschieden wir Doris Wipperfürth. Im Namen des Vorstands danken wir ihr für ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Wir wünschen ihr für ihren weiteren Weg alles Gute!
Wir begrüßen als neue Mitglieder der GQMG
Hardy Müller
Hardy Müller ist seit Juli 2024 bei der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit gGmbH als Generalsekretär aktiv. Zuvor war er 30 Jahre im Management von gesetzlichen Krankenversicherungen tätig. Zuletzt von 2019 bis 2024 als Beauftragter für Patientensicherheit der Techniker Krankenkasse.
Nach dem Magister-Studium der Fächer Anthropologie, Soziologie und Psychologie war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt "Regionale Mortalitätsunterschiede" der Johannes-Gutenberg Universität Mainz. Seit 1993 ist er in der GKV in verschiedenen Positionen tätig. Bei einer Ersatzkasse etablierte er eine Gesundheitsberichterstattung mit Routinedaten ('GEK Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse') und leitete den Bereich 'Gesundheitsmanagement'. Bei der TK übernahm er Aufgaben im Bereich Unternehmensentwicklung und Versorgungsmanagement, so z.B. als Leiter des Referates 'Versorgungsmanagement/ Projekte' und als Referent in der Stabsstelle 'Strategisches Vertrags- und Versorgungsmanagement'. Von 2009 bis 2018 war er im Wissenschaftlichen Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) tätig.
Hardy Müller hat sich vielfach ehrenamtlich engagiert, so 2009-2011 als Sprecher der Fachbereichs Patienteninformation und -beteiligung im Deutschen Netzwerk für evidenzbasierte Medizin DNebM e.V, 2010 Mitglied der Fakultät des Institute on Informed Patient Choice am "Dartmouth Institute for Health Policy& Clinical Practice", USA, als Mitglied im Expertenpools gemäß § 92b Absatz 6 SGB V („Innovationsfonds“) 2020/2021 und von 2011-2019 als Geschäftsführer und Generalsekretär im Aktionsbündnis Patientensicherheit APS.
Ausbildung als Health Care Risk Manager (TU München), Qualifikation Patient Safety Manager und CES Qualifikation Weiterbildungsstudium „Digitale Ethik“. Er ist Träger der Katja-Loos Medaille der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft.
Dagmar Lüttel
Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie Pflegewissenschaft in Osnabrück und absolvierte anschließend einen Master in Nursing in London. Ihre berufliche Laufbahn ist geprägt von ihrer Expertise im Bereich Patientensicherheit, die sie in verschiedenen Organisationen wie dem NHS in England, dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und der Techniker Krankenkasse einbrachte. Seit Anfang des Jahres ist sie bei der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit gGmbH tätig. Sie freut sich auf den fachlichen Austausch mit den GQMG-Mitgliedern!
Buchempfehlung
Angewandte Sicherheitskultur in Hochzuverlässigkeitsorganisationen
Wie Unternehmen Standards für sicheres Verhalten erfolgreich implementieren.
Sicherheit ist in Hochzuverlässigkeitsorganisationen unabdingbar. Ein wesentlicher Beitrag des Personals zur Sicherheit besteht darin, Fehler möglichst zu vermeiden. Aber Menschen machen Fehler. Es muss daher das Ziel sein, Fehler zu minimieren und einen adäquaten Umgang mit Fehlern zu praktizieren. Der erste Schritt dazu ist, die Verhaltensweisen zu definieren, die vom Personal erwartet werden. Durch standardisiertes sicheres Verhalten kann die Fehlerquote signifikant verringert und so die Sicherheitskultur in Unternehmen deutlich verbessert werden.
Dieses Buch beleuchtet - zunächst am Beispiel der Kernenergie -, welche Verhaltensweisen zur Erhöhung der Sicherheitskultur beitragen, wie man diese Verhaltensstandards an andere Branchen anpasst und erfolgreich in Unternehmen implementiert.
Erfahrene Praktiker aus Luftfahrt, Polizei, Gesundheitswesen und Energieversorgung teilen eigene Erfahrungen und wertvolle Praxisbeispiele.
Aus dem Inhalt - Fehler-, Sicherheits- und Feedbackkultur
- Angewandte Sicherheitskultur durch Verhaltensstandards
- Werkzeuge des professionellen Handelns
- Sicherheitskultur in ausgewählten Branchen
Die Herausgeber beraten Unternehmen zur systematischen Optimierung ihrer Sicherheitskultur. Alle drei kommen aus dem Kernenergie-Sektor und sind Experten darin, sicherheitsrelevante Verhaltensstandards auf hohem Niveau zu entwickeln und zu implementieren.
Bert Poeten/ Wolfram Debus/ Matthias Aleff (Hrsg.) Hardcover | 2025 | 212 Seiten | ISBN 978-3-658-46902-3
CIRS-Fälle
Aus dem CIRS-Netzwerk der Partner:
InPASS, Inworks, Deutsche Gesellschaft für Patientensicherheit in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und dem vdek
"Patient verwechselt: Beinahe falsches Medikament als Infusion erhalten"
Aus dem Netzwerk CIRS Berlin
"Klinische Reanimation"
Aus dem Krankenhaus-CIRS-Netz Deutschland 2.0
"Brandschutzmaßnahmen für Akku-Geräte (Bericht aus CIRS-NRW)"
Aus der Normenschmiede
Wird ISO 7101 eine europäische Norm für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung?
Das British Standard Institute (BSI) hat bei CEN angefragt, ob Interesse besteht, ISO 7101 Healthcare organization management – Management systems for quality in healthcare organizations – Requirements als europäische Norm zu übernehmen. Zurzeit führt CEN eine Systemnorm zum Qualitätsmanagement in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung EN 15224:2017, deren Gültigkeit unlängst verlängert wurde. Um eine Konkurrenz zweier Normen auszuschließen, müsste EN 15224 zurückgezogen werden. Wenn ISO 7101 in das europäische Normenwerk übernommen wird, sind alle nationalen Normungsinstitute gehalten, die Norm auch als nationale Norm zu übernehmen (wie mit DIN EN 15224 geschehen). Eine Entscheidung steht kurzfristig an. Zuständig dafür ist beim DIN der NA 176-01-03. Obmann des Ausschusses ist Dr. Ulrich Paschen (upaschen@web.de). Interessierte Fachkreise werden um Stellungnahme gebeten.
DIN EN 18167:2025-03 - Draft
Quality along the patient pathway in medical imaging in Radiology services; German and English version prEN 18167:2025
Dieses Dokument legt die Anforderungen für die Umsetzung eines Qualitätssystems entlang des Patientenpfads bei Radiologiedienstleistungen fest. Ziel ist eine qualitativ hochwertige Bereitstellung aller Aspekte der Untersuchungssicherheit und Patientenversorgung. Das Dokument befasst sich mit Verfahren, bei denen Röntgenstrahlen, Ultraschall und Magnetresonanztomographie am Menschen eingesetzt werden, einschließlich diagnostischer Verfahren und interventioneller Radiologie sowie Anwendungen aus der Ferne. Zuständig ist der Arbeitskreis NA 080-00-04-09 AK im DIN-Normenausschuss Radiologie (NAR).
DIN 58953-6:2025-03
Sterilisation - Sterilgutversorgung - Teil 6: Prüfung der Keimdichtigkeit von Verpackungsmaterialien für zu sterilisierende Medizinprodukte Ausgabedatum 2025-03 Deutsch Seiten 17
Diese Norm wurde vom Arbeitsausschuss NA 176-03-07 AA "Sterilgutversorgung" im DIN-Normenausschuss Gesundheitstechnologien (NAGesuTech) erarbeitet. Dieser Teil von DIN 58953 legt Prüfverfahren für die Bestimmung der Keimdichtigkeit bei Feuchte und bei Luftdurchgang fest. Diese Prüfverfahren sind auf Verpackungsmaterialien für zu sterilisierende Medizinprodukte anwendbar.
DIN 13065:2025-03 - Entwurf
Begriffe für die Simulation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen Ausgabedatum 2025-03.
Dieses Dokument legt Begriffe fest, die im Gesundheitswesen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung unter Nutzung von Simulation verwendet werden. Das Dokument wurde vom Arbeitsausschuss NA 176-01-07 AA "Simulation in der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen" im DIN-Normenausschuss Gesundheitstechnologien (NAGesuTech) erarbeitet. Der Arbeitsausschuss hat festgestellt, dass es im Bereich der Simulation zahlreiche Definitionen für Situationen, Hardware und weitere relevante Aspekte gibt. Der Ausschuss konzentrierte sich auf problematische Begriffe, wie sie häufig in Leistungsbeschreibungen, etwa bei öffentlichen Ausschreibungen, auftreten. Ohne eine präzise Definition könnten sie zu Missverständnissen bei der Angebotsabgabe und zu unterschiedlichen Qualitätsvorstellungen führen. Besonders wichtig waren dem Arbeitsausschuss jene Begriffe, die gleichzeitig eine Qualität bestimmen, ohne dass diese konkret beschrieben wird. Darüber hinaus finden sich diese Begriffe auch in curricularen Teilen von Aus-, Fort- und Weiterbildungen wieder, was ihre exakte Definition für deren Ausgestaltung und Durchführung von zentraler Bedeutung macht.
Stellenangebote
Das Institut für Allgemeinmedizin im Zentrum für Gesundheitswissenschaften des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main sucht ab dem 1.6.2025 ein/e Wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in [mehr ...]
|