Neues aus der GQMG
- Save the Date – GQMG-Summercamp 2026
- GQMGimpuls: KI managen – Chancen nutzen, Risiken steuern
- Einblick in den GQMGimpuls: KI und Softwarequalität im Gesundheitswesen
- GQMG-Interviewpodcast – neue Episoden online
- GQMG-Wissenssnack
Aktuelles
- Smarte Krankenhäuser für Patientensicherheit
- Buchempfehlung
- Journal Club
- CIRS-Fälle
- Aus der Normenschmiede
- ZEFQ
- Veranstaltungen und Seminare
- Stellenangebote
Neues aus der GQMG
Save the Date – GQMG-Summercamp 2026
Auch in diesem Jahr lädt die GQMG wieder zum beliebten Summercamp ein – einem inspirierenden Ort für fachlichen Austausch, Weiterbildung und Vernetzung im Qualitätsmanagement des Gesundheitswesens.
Das GQMG-Summercamp 2026 bietet vom 20. bis 22. August 2026 im Kloster Schmerlenbach bei Aschaffenburg ein vielseitiges Programm mit aktuellen und praxisrelevanten Themen. Freuen Sie sich auf spannende Vorträge, interaktive Workshops und anregende Fachgespräche mit erfahrenen Referentinnen und Referenten.
Das Summercamp verbindet fachlichen Input, gemeinsames Arbeiten und wertvolle Vernetzungsmöglichkeiten in einer inspirierenden Atmosphäre – mit Raum für neue Perspektiven, Erfahrungsaustausch und praxisnahe Impulse für Ihren Berufsalltag.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt – frühzeitige Anmeldung empfohlen.
Frühbucherrabatt bis 3. Juli 2026 Anmeldung bis 13. August 2026
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
GQMGimpuls: KI managen – Chancen nutzen, Risiken steuern
Am 9.6.2026 von 16:00 bis 17:00 Uhr erhalten Sie im nächsten GQMGimpuls praxisnahe Einblicke, wie das Universitätsklinikum Leipzig den strukturierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz im klinischen Alltag gestaltet.
Referentin: Isabell Weber Moderation: Dr. Thomas Groß
Künstliche Intelligenz in der Medizin ist längst kein reiner IT-Trend mehr – sie stellt Krankenhäuser vor neue regulatorische, organisatorische und qualitätsrelevante Herausforderungen. Viele Einrichtungen stehen aktuell vor der Frage, wie die Chancen von KI für Diagnostik, Prozessoptimierung und Versorgung genutzt werden können, ohne Patientensicherheit, Compliance oder Governance zu gefährden.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, wie ein strukturiertes KI-Managementsystem im Krankenhaus aufgebaut und nachhaltig implementiert werden kann. Isabell Weber, Leitung Qualitätsmanagement am Universitätsklinikum Leipzig, berichtet aus der Praxis, wie eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe seit Herbst 2024 die Anforderungen der europäischen KI-Verordnung in die klinische Realität überführt.
Die Themen sind: - Aufbau eines KI-Managementsystems im Universitätsklinikum
- Entwicklung einer übergreifenden KI-Richtlinie und interner Regelungen zur Nutzung von KI-Tools
- Konzeption und Umsetzung eines modularen Schulungskonzepts für Mitarbeitende
- Bewertung von Risiken und regulatorische Prüfprozesse für KI-Projekte
- Praktische Erfahrungen eines universitären Spitzenversorgers
Nutzen Sie die Gelegenheit, von Best Practices zu lernen und sich über die Zukunft von Qualität, Sicherheit und Innovation im Gesundheitswesen auszutauschen.
Die Veranstaltung der GQMG ist kostenfrei und ohne vorherige Anmeldung zu besuchen. Weitere Themen und den Zugangslink finden Sie unten.
Einblick in den GQMGimpuls: KI und Softwarequalität im Gesundheitswesen – von technischer Exzellenz zu klinischem Vertrauen
Am 12. Mai 2026 durften wir beim GQMGimpuls einen tiefen Einblick in die Zukunft der digitalen Transformation gewinnen. Unter dem Titel „KI und Softwarequalität im Gesundheitswesen – von technischer Exzellenz zu klinischem Vertrauen“ zeigte Prof. Dr. Peter Langkafel (XU University Potsdam / Ingrano Solutions) eindrucksvoll auf, warum Qualität heute weit mehr als nur fehlerfreier Code ist.
Die zentralen Botschaften für die Praxis: - Drei Ebenen, ein Ziel: Echte Qualität entsteht nur durch die Integration von technischer Exzellenz, regulatorischer Compliance (MDR, EU AI Act, DSGVO) und klinisch-organisatorischem Vertrauen
- Die zwei „Prüfbrillen“: KI-Systeme benötigen immer eine doppelte Validierung – die technische Systemqualität und die klinisch-regulatorische Vertrauenswürdigkeit.
- 8 Testebenen für belastbare KI: Von der Datenqualität über Robustheit und Fairness (Bias-Check) bis hin zum Monitoring im laufenden Betrieb – der Go-Live ist erst der Anfang der Qualitätssicherung
- Fehlerbilder verstehen: Nicht jeder KI-Fehler ist gleich. Ob Faktenfehler, „Halluzinationen“ oder Kontextfehler – wir brauchen eine risikobasierte Teststrategie, um Ressourcen dort einzusetzen, wo Fehler am meisten schaden
Das Fazit des Impulses: „Qualität ist Strategie – nicht Bürokratie“. Wer frühzeitig in Qualität investiert, schützt nicht nur Patienten, sondern reduziert langfristig Haftungsrisiken und Reputationsschäden.
Rund 20 Teilnehmende nutzten die anschließende Diskussion für einen intensiven Austausch über die praktische Umsetzbarkeit in Kliniken und die Rolle von Human Oversight.
Ein herzliches Dankeschön an Prof. Dr. Peter Langkafel für die wertvollen Impulse und an Dr. Thomas Groß für die souveräne Moderation!
Exklusiv für Mitglieder: Das ausführliche Handout mit der „Pragmatischen Matrix für Go-Live und Betrieb“ steht ab sofort auf unserer Webseite zum Download bereit.
Wir freuen uns schon auf den nächsten GQMGimpuls!
GQMG-Interviewpodcast – neue Episoden online
Episode 57: Digitaler Kolonialismus
Wie digital ist unsere digitale Welt eigentlich wirklich – und wer bezahlt den Preis dafür? Oliver Steidle und Dr. Thomas Petzold sprechen mit Ingo Dachwitz, Journalist bei netzpolitik.org und Co-Autor des Buches „Digitaler Kolonialismus – Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen“.
Episode 58: Wo hilft der Einsatz von KI, Apps und neuen Technologien?
Digitale Tools können empathischer wahrgenommen werden als Menschen – und genau darüber sprechen Oliver Steidle und Dr. Thomas Petzold in der neuen Episode von „Puls der Transformation“ mit Anisa Idris, Vorstandsmitglied im Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung.
GQMG-Wissenssnack
Personalentwicklung
Schon in den QS-Richtlinien des G-BA, nun aber verstärkt durch die Leistungsgruppen, werden detaillierte Anforderungen an die Kompetenz der Versorgungsteams gestellt. Mit Nachweisen der Kompetenz und ein bisschen Fortbildung ist es nicht mehr getan. Zukünftig muss ein Kompetenzmanagement etabliert werden. In vielen Einrichtungen gibt es dafür bereits die Aufgabe der Personalentwicklung.
Die Leitung der Einrichtung sollte den Kompetenzstand in der Organisation, in den Arbeitsgruppen und bei den Individuen bewerten und mit den Anforderungen abgleichen. Missverhältnisse müssen rechtzeitig erkannt werden. Die persönlichen Entwicklungsziele der Mitarbeitenden wollen berücksichtigt und mit den Zielen der Organisation in Einklang gebracht werden.
Die Leitung sollte eine Personalentwicklungsplanung sowie eine Programmstruktur aufsetzen.
Aktivitäten zur Personalentwicklung sollen gezielt initiiert und sorgfältig dokumentiert werden.
Die Leitung muss die zukünftige Entwicklung der Kompetenzanforderungen abschätzen, die sich aus dem demografischen, ökonomischen, politischen und sozialen Wandel ergeben. Dazu müssen die Qualitätsziele im Kontext der Unternehmensziele berücksichtigt werden. Welche neuen Leistungen sollen angeboten werden? Wo sind höhere Anforderungen durch gesetzliche und behördliche Vorgaben zu erwarten? Auf welchen Gebieten sind technologische Innovationen zu erwarten, die neue Kompetenzen erfordern? Welche Anforderungen stellen die interessierten Parteien?
Die Prognose des künftigen Kompetenzbedarfs sollte bei der Bewertung von Chancen und Risiken im Rahmen der Managementbewertung berücksichtigt werden.
Ohne strukturierte Personalentwicklung kann eine Einrichtung schnell in Bedrängnis geraten.
Aktuelles
Smarte Krankenhäuser für Patientensicherheit
Smart Hospitals to Achieve Patient Safety International Conference des KAST in Seoul
Der Übergang zu smarten Krankenhäusern markiert einen grundlegenden Wandel darin, wie Gesundheitssysteme Patientensicherheit, operative Exzellenz und menschenzentrierte Versorgung gewährleisten. Die Konferenz am Vortag zum Meeting des ISO TC 304 Smart Hospitals in Seoul untersuchte die Rolle internationaler ISO-Standards bei der Gestaltung der konzeptionellen und praktischen Grundlagen smarter Krankenhäuser und hob hervor, wie diese Rahmenwerke Zuverlässigkeit, Interoperabilität und Qualität in digitalen Gesundheitsökosystemen stärken. Durch die Integration von Standards wie ISO 9001 für das Qualitätsmanagement, ISO 31000 für Risikomanagement, ISO 27001 für Informationssicherheit und ISO 80001 für den Einsatz von IT-Netzwerken im Gesundheitswesen können Organisationen robuste Systeme aufbauen, die die klinische Entscheidungsfindung verbessern, unerwünschte Ereignisse reduzieren und sicherere, effizientere Versorgungsumgebungen fördern.
Dieses Modell betont die Konvergenz fortschrittlicher Technologien – wie Datenintegrationsplattformen, künstlicher Intelligenz, Telemedizin und IT-gestützter klinischer Geräte. Sie bewahren patientenzentrierte Praktiken, die Würde, Empathie und kulturelle Sensibilität. Der Ansatz zeigt, wie smarte Krankenhausinitiativen über technologische Einführung hinausgehen können, indem Innovationen direkt zur Verbesserung der Patientensicherheit und zur Stärkung des Vertrauens zwischen Patienten und medizinischem Fachpersonal beitragen.
Durch die Analyse internationaler Standards, nationaler Strategien und praktischer Erfahrungen bot die Konferenz einen umfassenden Einblick darin, wie intelligente Krankenhäuser gestaltet und betrieben werden können, um sicherere, mitfühlendere und widerstandsfähigere Gesundheitsdienste zu erreichen.
Auf dem Bild einige Teilnehmer der Konferenz: Dr. Ulrich Paschen (rechts neben dem Roboter), Piotr Furmanek aus Krakau (links neben dem Roboter) sowie Prof. Ahn (ganz links), die das Robotikprojekt im Krankenhaus leitet.
Buchempfehlung
Krankenhaus-Report 2026: Reformperspektiven
Scheller-Kreinsen D, Wasem J, Beivers A, Mostert-Brenck C (Hrsg.) Open Access | 2026 | 401 Seiten ISBN 978-3-662-78181-4
Wie barrierefrei sind deutsche Krankenhäuser? Eine Sekundärdatenanalyse der Strukturierten Qualitätsberichte 2019
Rebekka Hocher, Alfons Hollederer
Originalarbeit | 2026 | Das Gesundheitswesen DOI: 10.1055/a-2761-2117
Journal Club
Medizinische Angaben gegenüber KI sind oft lückenhaft
Eine neue Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zeigt: Schildern Menschen ihre Krankheitssymptome einer KI statt ärztlichem Fachpersonal, sinkt die Qualität ihrer Angaben. Dies gefährdet die Genauigkeit digitaler Diagnosen und die Patientensicherheit.
Gut möglich, dass in naher Zukunft Menschen einer KI ihre Symptome schildern müssen, bevor sie einen Arzttermin erhalten. Die KI entscheidet dann, ob es sich um einen Notfall handelt oder ob die Behandlung noch warten kann, und vergibt entsprechend Termine.
So weit ist es glücklicherweise noch nicht, doch auch im Gesundheitswesen schreitet die Digitalisierung rasant voran. KI-Chatbots und digitale Symptom-Checker übernehmen eine immer wichtigere Rolle und dienen zunehmend als erste Anlaufstelle für die sogenannte „Self-Triage“ – also die erste Einschätzung der Dringlichkeit einer Behandlung durch die Betroffenen selbst.
Doch während die technische Leistungsfähigkeit dieser Systeme stetig wächst, rückt ein anderer Faktor in den Fokus der Forschung: das menschliche Kommunikationsverhalten im Dialog mit der Maschine. Denn selbst die beste Technik, insbesondere in der medizinischen Diagnostik, ist auf präzise Informationen angewiesen, die die Nutzenden jedoch nicht immer im vollen Umfang bereitstellen.
Menschliche Zurückhaltung hemmt das Potenzial der KI.
Reis M, Reis F, Kim YJ, Demir A, Lim J, Gröschel MI, Boie SD, Kunde W. Reduced Symptom Reporting Quality During Human-Chatbot Versus Human-Physician Interactions. Nature Health. 2026.
Patientensicherheit beginnt mit dem Zugang: Sicherheitsereignisse, die auftreten, bevor wir auf den Patienten treffen
Zugänglichkeit gilt seit langem als eine der Qualitätsdimensionen, wird aber oft vernachlässigt. Dieser Meinungsbeitrag im Journal of the American Medical Association nimmt einen bestimmten Fall als Ausgangspunkt für eine Reflexion über die Bedeutung der Zugänglichkeit. Man könnte argumentieren, dass dieser Fall typisch für das Gesundheitssystem in den USA sei; andererseits ist der Zugang zur Versorgung ein universelles Thema. Die Autoren dieses Beitrags schließen mit der Feststellung: „Zugang ist kein administratives Vorspiel zur Versorgung. Es ist das erste – und zugleich zerbrechlichste – Glied in der Kette der Patientensicherheit. Solange Zugangsbeschränkungen nicht als Sicherheitsfehler erkannt und zuverlässige Prinzipien angewendet werden, werden die Patienten weiterhin die Folgen von Systemen tragen, die auf dem Papier akzeptabel funktionieren, in der Praxis jedoch versagen.“
Hassid VJ, Kaafarani HMA. Access as Patient Safety: Adverse Events Before We Meet the Patient. JAMA. 2026;335(13):1117–1118.
Verlängerte Arbeitszeiten bei Anästhesisten und postoperative Patientenergebnisse
Sind längere Arbeitszeiten bei Anästhesisten mit schlechteren postoperativen Patientenergebnissen verbunden? Dieser Frage geht eine aktuelle Querschnittsstudie nach, in der 1.648.720 chirurgische Eingriffe mit Beteiligung von 1.711 Anästhesisten aus 36 Einrichtungen analysiert wurden.
Die primär adjustierte Analyse zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied hinsichtlich eines kombinierten Endpunkts aus schwerer Morbidität oder Krankenhausmortalität zwischen regulären und verlängerten Arbeitszeiten. Die Punktschätzungen sowie die Sensitivitätsanalysen deuteten jedoch konsistent auf kleine Risikoerhöhungen hin. Auch die Krankenhaussterblichkeit war bei längeren Arbeitszeiten erhöht.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Patientinnen und Patienten, die von Anästhesisten betreut werden, die 16 Stunden oder länger ununterbrochen gearbeitet haben und möglicherweise ermüdet sind, ein leicht erhöhtes Risiko für unerwünschte Ereignisse aufweisen könnten.
Dixit AA, Deverett B, Sun EC. Extended Work Duration Among Anesthesiologists and Postoperative Patient Outcomes. JAMA Network Open. 2026;9(5):e2611644.
Von der Fallanalyse zu Handlungssicherheit: Evaluation der Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen an einem Universitätsklinikum mittels Mixed-Methods-Ansatz
Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (M&MK) sind strukturierte, interprofessionelle Besprechungen zur Aufarbeitung besonderer Behandlungsverläufe und Todesfälle. Ziel ist es, aus Fehlern zu lernen und Maßnahmen zur Verbesserung von Versorgungsqualität und Patientensicherheit abzuleiten. Sie verbinden medizinische Ausbildung, Qualitätsverbesserung und Risikomanagement. Mit wachsender Bedeutung der Sicherheitskultur im deutschen Gesundheitswesen steigt die Relevanz einer standardisierten und optimierten Durchführung von M&MK. Weitere Beispiele für Sicherheitskultur sind eine offene Fehlerkultur und Critical Incident Reporting Systems. Diese Studie untersuchte förderliche und hemmende Faktoren strukturierter M&MK, deren Wirkung auf den Verlauf von M&MK, die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen und deren Einfluss auf die berufliche Tätigkeit und Handlungssicherheit der Teilnehmenden.
Methode
Am Universitätsklinikum Dresden (UKD) wurde eine Mixed-Methods-Studie mit teilnehmender Beobachtung und quantitativer Befragung aller M&MK-Teilnehmenden durchgeführt. Die Datenanalyse der teilnehmenden Beobachtung erfolgte nach dem Ansatz der Grounded Theory. Ergänzend erfolgten Korrelationsanalysen zu den wahrgenommenen Auswirkungen abgeleiteter Maßnahmen.
Warmbier AR, Blum SFU, Eberlein-Gonska M, Schmitt J, Kirsch C. Förderliche und hemmende Faktoren strukturierter Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen an einem Universitätsklinikum: eine Mixed-Methods-Studie. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes (ZEFQ). 2026;202:14–24.
Wer den Beitrag in voller Länge lesen möchte, kann sich an Herrn Ulrich Paschen wenden: upaschen@web.de
Diagnostische Fehler im klinischen Labor: Häufigkeit und Auswirkungen auf die Patientensicherheit
Diagnostische Fehler in Laborprozessen können die Genauigkeit klinischer Diagnosen beeinträchtigen und stellen ein relevantes Risiko für die Patientensicherheit dar. Eine retrospektive Analyse eines großen privaten Krankenhausnetzwerks in Thailand untersuchte über einen Zeitraum von drei Jahren die Häufigkeit, Art und Auswirkungen laborbezogener Diagnosefehler.
Ausgewertet wurden Daten aus einem freiwilligen Vorfallmeldesystem mit insgesamt 5.951.783 verarbeiteten Proben. Von 34.395 gemeldeten Vorfällen entfielen 1.031 (2,9 %) auf diagnostische Fehler. Der überwiegende Anteil trat im präanalytischen Prozess auf (89,2 %), deutlich seltener im postanalytischen (10,7 %) und im analytischen Bereich (0,1 %). Zu den häufigsten Fehlerursachen gehörten eine falsche Testreihenfolge sowie Fehler bei der Probenentnahme.
Menschliche Faktoren spielten mit 91,1 % die mit Abstand größte Rolle, während technische und organisatorische Ursachen deutlich seltener vorkamen. In den meisten Fällen (90,6 %) hatten die Fehler keinen Einfluss auf die endgültige klinische Diagnose. Dennoch führten einzelne Ereignisse zur Verzögerung der Diagnostik, Fehldiagnosen oder falschen Diagnosen. Patientenschäden waren selten, traten jedoch in Einzelfällen als vorübergehende Beeinträchtigungen auf.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung systematischer Maßnahmen zur Stärkung der diagnostischen Sicherheit – insbesondere durch die Optimierung von Laborprozessen und die gezielte Berücksichtigung menschlicher Einflussfaktoren.
Saengpattrachai M, et al. Diagnostic Errors in Clinical Laboratory Testing: Incidence and Impact on Patient Safety – A Three-Year Voluntary Incident Report Analysis.
Der Bericht des King’s Fund über Prinzipien für herausragende Versorgung für die Care Quality Commission
Bericht im Rahmen der Überprüfung des Regulierungsmodells durch die Care Quality Commission. Das Projekt umfasste eine Literaturübersicht, Interviews und eine Reihe von Workshops, um zu untersuchen, wie herausragende Versorgung aussieht. Dieser Bericht enthält die Ergebnisse des Forschungsprojekts und skizziert die fünf wichtigsten Prinzipien für herausragende Versorgung: - Wirklich personenzentrierte Versorgung bieten:
Hervorragende Versorgung ist stets sehr reaktionsfähig auf die Bedürfnisse, Vorlieben und Wünsche der Einzelnen und erkennt an, was für Menschen, die Dienstleistungen nutzen, wichtig ist, deren Stärken, Kulturen und Vorstellungen. - Eine Kultur mitfühlender und inklusiver Führung verankern:
Hervorragende Betreuung entsteht, wenn Führungskräfte eine offene, psychologisch sichere, inklusive und werteorientierte Kultur fördern, die sich auf die Empfänger der Dienstleistungen konzentriert und das Personal stärken. - Gleichberechtigung und Inklusion priorisieren:
Hervorragende Betreuung findet in einem inklusiven Umfeld statt, das Gerechtigkeit priorisiert und aktiv Vielfalt unter den Menschen fördert, die die Dienstleistungen nutzen und die Mitarbeitenden , fördert. - Kontinuierliche Integration von Lernen aus derPraxis, um Verbesserungen und Innovation voranzutreiben:
Hervorragende Versorgung entsteht, wenn eine Lernmentalität in Teams und Organisationen verankert ist, mit Fokus auf der Weiterentwicklung der Praxis und dem kontinuierlichen Wissensaustausch. - Einen gezielten Ansatz verfolgen, um einen positiven Unterschied für Menschen zu machen, die Dienstleistungen nutzen:
Hervorragende Versorgung entsteht durch einen klaren und bewussten Fokus darauf, einen positiven Unterschied für Menschen, die Dienstleistungen, das Personal und das gesamte System nutzen, zu machen, und zeigt sich in wichtigen Ergebniskennzahlen und Rückmeldungen von Menschen, die Dienstleistungen und Mitarbeitende nutzen. Wenzel L, Morris L, Chikwira L, Nwasike CJ. What Makes Care Outstanding? Principles for Outstanding Care for the Care Quality Commission. London: The King’s Fund; 2026. 65 p.
Privatisierung, Wartezeiten und Ungleichheit beim Hüft- und Kniegelenkersatz im NHS: Vergleich zwischen England und Schottland
Hintergrund: Im Vereinigten Königreich ist das Gesundheitswesen dezentral. England und Schottland haben unterschiedliche Richtlinien, um die Wartelisten für elektive Operationen zu reduzieren. England leitet die NHS-Finanzierung durch kommerzielle Verträge an den Privatsektor um, Schottland baut die interne Kapazität aus.
Ziel: Vergleich von Trends bei Aufnahmen, Wartezeiten und Ungleichheiten in England und Schottland für Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen zwischen April 1997 und März 2019.
Methoden: Eine ökologische Studie mit einem Vergleich der Aufnahmeraten, dem Steigungsindex der Aufnahmeungleichheit sowie Trendgradienten für Wartezeitungleichheit mittels unterbrochener Zeitreihen im NHS finanzierten elektiven primären Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen und in Schottland.
Ergebnisse: Zwischen 1997/98 und 2018/19 stieg die Aufnahmequote für Hüft- und Kniegelenkersatz um 110 % auf 137,9 pro 100.000 und um 185 % auf 145,4 pro 100.000 in England sowie um 90 % auf 144,8 pro 100.000 und um 163 % auf 137,5 pro 100.000 in Schottland. Zwischen 2008 und 2019 erhöhte Schottland die interne NHS-Versorgung für Hüft- und Knieoperationen um 18 %. Im Gegensatz dazu sank in England die interne NHS-Kapazität für Hüft- und Knieprothesen um 8 % bzw. 18 %, während der Privatsektor die direkte NHS-Versorgung ersetzte; die Zahl der vom NHS finanzierten privaten Anbieter stieg auf das Siebenfache auf 155. Die Wartezeiten sanken in beiden Ländern, die Trends waren nach 2008 in beiden Ländern pro-reich. Die Ungleichheit bei den Zulassungen stieg in England auf das Zweieinhalbfache der Rate in Schottland.
Fazit: Die Auslagerung von vom NHS finanzierten elektiven Operationen an den privaten Sektor in England ist mit der Schaffung eines zweistufigen Systems innerhalb des NHS verbunden.
Kirkwood G, Pollock AM. Waiting times and admissions policies in England and Scotland before and after privatisation of services for NHS elective hip and knee replacement surgery in England between 2008 and 2019. Health Policy. 2026;168:105605.
Schulungen zum Qualitätsmanagement in Krankenhäusern, um neuen Trends gerecht zu werden.
Das Qualitätsmanagement im Krankenhaus ist eine zentrale Lösung zur Verbesserung der Effektivität von medizinischer Untersuchung und Behandlung sowie zur Steigerung der Patientenzufriedenheit im Kontext der integrierten Versorgung. Am 16. und 17. April veranstaltete das Ministerium für Gesundheit in Dak Lak in Zusammenarbeit mit UNICEF einen Fortbildungskurs zur Verbesserung der Patientensicherheit und -qualität in medizinischen Einrichtungen. Über 80 Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, darunter Krankenhausleitungen und Qualitätsbeauftragte des Ministeriums, der Provinzgesundheitsbehörden und von Krankenhäusern der Zentralregion, nahmen an der Schulung teil. Zuvor wurden bereits zwei ähnliche Schulungskurse in Ho-Chi-Minh-Stadt für die südlichen Provinzen und in Phu Tho für die nördliche Region abgehalten, bei denen mehr als 200 Teilnehmer in den Bereichen Qualitätsmanagement in Krankenhäusern und Patientensicherheit geschult und zertifiziert wurden.
In der vergangenen Zeit hat die Abteilung für medizinische Untersuchung und Behandlungsmanagement dem Gesundheitsministerium zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität medizinischer Untersuchungen und Behandlungen empfohlen. Dazu gehören die Implementierung der vietnamesischen Qualitätskriterien für Krankenhäuser (83 Kriterien), die Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung medizinischer Zwischenfälle und zur Stärkung der Infektionskontrolle und des Antibiotikaresistenzmanagements, die Organisation eines Qualitätsmanagementsystems, in dessen Rahmen 98,8 % der Krankenhäuser Qualitätsmanagementräte eingerichtet haben, 98,5 % der Krankenhäuser über eine Qualitätsmanagementabteilung verfügen und einige Krankenhäuser angesehene internationale Standards wie JCI und ACHS erfüllen.
Quelle: Vietnam.vn. Qualitätsmanagement-Schulungen in Krankenhäusern zur Anpassung an neue Entwicklungen. 2026.
Ein Schlückchen in Ehren…
Die Australian Commission on Safety and Quality in Health Care hat eine nationale Leitlinie 'Sip Til Send' (etwa: Trinken vor Verlegung in den OP) veröffentlicht, um eine sichere präprozedurale orale Flüssigkeitsaufnahme für Patienten, die auf eine Operation warten, zu unterstützen.
'Sip Til Send' ist eine globale Initiative, die es Patienten ermöglicht, bei Durst kleine Mengen Wasser (oder ähnliche klare Flüssigkeiten) zu sich zu nehmen, bis sie in den Operationssaal gerufen werden.
Die nationale Leitlinie "Sip Til Send" ist Teil des Arbeitsprogramms der Kommission zur Unterstützung der sicheren, angemessenen und nachhaltigen Verwendung intravenöser (IV-)Flüssigkeiten in Krankenhäusern.
Dieser Ansatz verkürzt die Phase des 'Keine orale Flüssigkeit vor OP' und verringert so die negativen Auswirkungen des längeren Fastens.
Die Leitlinien basieren auf einer Literaturübersicht und einem Umwelt-Scan und wurden unter fachkundiger klinischer Aufsicht und mit Beteiligung der Interessengruppen entwickelt.
Sie wird von Hilfen zur Umsetzung begleitet, um die Einführung vor Ort zu unterstützen.
Die nationalen 'Sip Til Send'-Hilfen umfassen: - Aufrechterhaltung einer besseren Flüssigkeitsversorgung
- Verringerung von Durstgefühl
- Reduktion von Schwindel und Angst
- Geringere Häufigkeit von Übelkeit und Erbrechen
- Reduktion des Bedarfs an intravenöser Flüssigkeitssubstitution
Zur Unterstützung der praktischen Umsetzung stellt die Kommission verschiedene Materialien für den klinischen Alltag zur Verfügung, darunter Implementierungsleitfäden, Schulungsunterlagen, Poster für Fachpersonal sowie Patienteninformationen.
Weiterführende Materialien für die praktische Umsetzung im klinischen Alltag kann man von der Website abrufen.
Anwendungen von KI stellen vermutlich zunehmend eine wesentliche Determinante der Qualität der medizinischen Versorgung dar.
Ein aktuelles Editorial in BMJ Quality & Safety fordert einen grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit generativer künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Die Autoren argumentieren, dass große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) nicht mit klassischen Maßstäben für Software oder menschliche Prüfungsleistungen bewertet werden sollten. Stattdessen müsse die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI als gemeinsame Einheit betrachtet werden.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ärztliche Expertise und künstliche Intelligenz sinnvoll zusammenwirken können. Die Autoren weisen darauf hin, dass sowohl Menschen als auch KI mit sogenannten Heuristiken – also vereinfachten Denkstrategien – arbeiten. Diese müssen nicht zwangsläufig ein Nachteil sein, sondern können im klinischen Alltag sogar hilfreich sein, wenn sie reflektiert eingesetzt werden. Der Nutzen von KI liege daher nicht im Ersatz medizinischer Fachkräfte, sondern in der Unterstützung klinischer Entscheidungsprozesse.
Das Editorial plädiert dafür, die Forschung stärker auf die praktische Mensch-KI-Interaktion auszurichten: Entscheidend sei nicht, ob KI allein gute Ergebnisse liefert, sondern ob die Kombination aus menschlicher Expertise und KI zu besseren, sichereren Entscheidungen in der Patientenversorgung führt.
Rodman A, Zwaan L. We need a new paradigm to think about generative AI in healthcare. BMJ Quality & Safety. 2025. doi:10.1136/bmjqs-2025-019828.
Patientenwohl im Fokus: Erkenntnisse einer Quality-Improvement-Initiative
Ein Krankenhausaufenthalt in der subakuten Versorgung oder Rehabilitation kann das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten erheblich beeinträchtigen. Eine aktuelle Studie aus Australien, veröffentlicht in BMJ Open Quality, untersuchte, wie sich das Patientenwohl durch gezielte Qualitätsverbesserungsmaßnahmen stärken lässt. Im Mittelpunkt stand ein partizipativer Ansatz, bei dem Maßnahmen nicht von oben vorgegeben, sondern gemeinsam mit Patienten, Angehörigen, Freiwilligen und Mitarbeitenden entwickelt wurden.
Dabei wurden drei zentrale Einflussfaktoren für das Wohlbefinden identifiziert: Kontrolle, Würde und Unabhängigkeit, Fortschritt und Perspektive sowie soziale Teilhabe und sinnvolle Ablenkung. In der praktischen Umsetzung entstanden 17 unterschiedliche Maßnahmen – darunter patientengeführte Zielvereinbarungen, Tageszeitungen auf den Stationen, mobile Friseurdienste oder der Einsatz von Freiwilligen mit eigener Krankheitserfahrung zur Unterstützung und Motivation der Betroffenen.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Während qualitative Rückmeldungen deutlich machten, dass sich viele Patientinnen und Patienten stärker wahrgenommen und menschlicher behandelt fühlten, ließ sich in den quantitativen Messungen keine signifikante Verbesserung des Wohlbefindens nachweisen. Als zentrale Herausforderung wurde die hohe Belastung des Gesundheitssystems identifiziert. Die Studie unterstreicht damit eine wichtige Erkenntnis für das Qualitätsmanagement: Weniger, aber konsequent umgesetzte Maßnahmen können wirksamer sein als eine Vielzahl paralleler Initiativen.
Bierer P, Brown M, Chapman M, Laver K. Improving patient well-being in subacute care: a quality improvement initiative. BMJ Open Quality. 2026;15(2). doi:10.1136/bmjoq-2025-003977.
CIRS-Fälle
Aus dem CIRS-Netzwerk der Partner:
InPASS, Inworks, Deutsche Gesellschaft für Patientensicherheit in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und dem vdek
"Schlaganfall sicher erkennen und behandeln"
Aus dem Netzwerk CIRS Berlin
Aus dem Krankenhaus-CIRS-Netz Deutschland 2.0
"Erschwertes intraoperatives Blutungsmanagement"
Aus der Normenschmiede
Titel Normenschmiede
Gemeinsamer Bundsausschuss
Änderung der MD-Qualitätskontroll-Richtlinie: Anpassung an das KHVVG
Australian Commission on Safety and Quality in Health Care
Notfall-Laparotomie-Standard Mai 2026
ZEFQ
Stellenangebote
Das Klinikum Chemnitz gGmbH und Tochterunternehmen sucht zum 1.10.2026 eine Leitung (w/m/d) für den Bereich Qualitäts- und klinisches Risikomanagement, unbefristet [mehr …]
Das TUM Klinikum Rechts der Isar sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n Clinical Quality Manager (m/w/d), befristet auf 24 Monate [mehr …]
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