Digital Human im Krankenhaus

Im aktuellen Gespräch mit Jon Lennart Wulff (Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin, Universitätsklinikum Essen, sowie MediCe) steht der Einsatz von „Digital Humans“ als menschenähnliche, KI-basierte Avatare im Krankenhaus im Fokus. Diese digitalen Assistenten sollen Patientinnen und Patienten 24/7 niedrigschwellig Informationen bereitstellen – auf mobilen Endgeräten oder perspektivisch als Hologramm in Klinikbereichen.

Zentral ist die Idee, den hohen Informations- und Kommunikationsbedarf insbesondere von Patientengruppen mit neu aufgetretener, schweren Erkrankung (z.B. kardiologische Patienten, Organtransplantierte) zu adressieren, die sich in einer ungewohnten Umgebung befinden und häufig Unsicherheit und Angst erleben. Der Digital Human wird bewusst als menschenähnlicher Avatar mit Mimik und Gestik gestaltet, um eine emotional ansprechbare, aber klar als Assistenzsystem gekennzeichnete Ansprechperson zu bieten – ohne ärztliches oder pflegerisches Personal zu ersetzen.

Aus Sicht der Forschungsgruppe ist der Digital Human als hybrides Versorgungsangebot konzipiert: Er soll klinisches Personal entlasten, nicht substituieren, und Informationslücken schließen, etwa zu Abläufen, Zuständigkeiten oder standardisierten Behandlungsprozessen. Gleichzeitig werden Einsatzfelder klar begrenzt – komplexe oder hochsensitive Gespräche (z.B. OP-Aufklärung) sollen weiterhin ausschließlich in direkter Interaktion mit Ärztinnen und Ärzten stattfinden.

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Nutzerzentrierung und Evaluation: In Befragungen werden Informationsbedarfe, gewünschte und unerwünschte Einsatzfelder, digitale Affinität sowie wahrgenommene Barrieren systematisch erfasst. Dabei zeigt sich, dass unterschiedliche Interaktionsformen (Voice-to-Voice, Texteingabe, Hologramm) nötig sind, um sowohl Datenschutzbedürfnisse (z.B. im Mehrbettzimmer) als auch unterschiedliche digitale Kompetenzen zu adressieren.

Wir danken Jon Lennart Wulff für das Gespräch!

Hören Sie hier rein!

Haben Sie Feedback zur Episode oder Themenwünsche? Schreiben Sie gerne eine E-Mail an podcast@gqmg.de.