Indikationsqualität meets Shared Decision Making

Patientensicherheit ist ein Thema für jeden Tag im Jahr – sie sollte jeden Tag handlungsleitend sein. In der neuen Episode von „Puls der Transformation“ sprechen Oliver Steidle und Dr. Thomas Petzold mit Prof. Dr. Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) am Universitätsklinikum Dresden und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, sowie mit Dr. Stefanie Deckert, Leiterin des Fachbereichs Qualitäts- und Patientensicherheitsforschung am UKD.

Im Fokus steht das G‑BA‑Innovationsfondsprojekt „Value Based TKR – Value‑based Total Knee Replacement“, in dem ein digitales, individualisiertes Entscheidungstool für den Kniegelenkersatz entwickelt und evaluiert wurde. Ziel ist eine leitliniengerechte, patientenzentrierte Indikationsqualität: Wer soll wann eine Knieendoprothese erhalten – und wie können Patient:innen systematisch beteiligt werden?

Die zentralen Inhalte der Folge:

  • Value Based Healthcare als Grundlage: Wie sich Versorgung an patientenrelevanten Outcomes und Kosten orientiert und warum gerade die Orthopädie mit hohen Endoprothesenraten im internationalen Vergleich besonders im Fokus steht.innovationsfonds.
  • Entwicklung verbindlicher Indikationskriterien: Zehnjährige Vorarbeit mit Orthopädie und Fachgesellschaften, Ableitung einer S2K‑Leitlinie zu evidenz- und konsensbasierten Kriterien für Knieendoprothesen bei Gonarthrose.
  • Das EKIT‑Tool als digitale Entscheidungshilfe: Erfassung von Krankheitslast, Leidensdruck, Lebensqualität, Patientenzielen und medizinischen Parametern; Visualisierung der erfüllten Leitlinienkriterien und Einbettung evidenzbasierter Gesundheitsinformation für das Indikationsgespräch.
  • Stärkung von Shared Decision Making: Vergleich der eigenen Situation mit anderen Betroffenen, laienverständliche Grafiken und Risiko-Informationen, gemeinsames Prüfen von realistischen Therapieerwartungen sowie Entscheidung für oder gegen Knieendoprothese.
  • Evidenz zum Nutzen des Tools: Multizentrische Studie mit über 1.000 Patient:innen in zehn Studienzentren zeigt: Die Entscheidungsqualität im Indikationsgespräch steigt signifikant gegenüber der üblichen Versorgung.
  • Chancen und Herausforderungen der Implementierung: Umgang mit älteren und multimorbiden Patient:innen, unterschiedliche Informationsbedarfe und Gesundheitskompetenzen sowie praktische Fragen der digitalen Anwendung im Klinikalltag.

Es wird darüber gesprochen, wie solche werkzeugbasierten, digitalen Entscheidungshilfen ein prototypisches Beispiel für patientenzentrierte, evidenzbasierte und wirtschaftliche Versorgung sein können – und welche Schritte nötig sind, um aus einem Innovationsfondsprojekt Standardversorgung zu machen.

Hören Sie hier rein!

Wenn Sie sich für Indikationsqualität, Shared Decision Making und digitale Unterstützungswerkzeuge in der Endoprothetik interessieren, hören Sie gerne rein und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit Entscheidungsprozessen rund um Kniegelenkersatz.

Wir danken Herrn Prof. Schmitt und Frau Dr. Deckert für das Gespräch!

Haben Sie Feedback zur Episode oder Themenwünsche? Schreiben Sie gerne eine E-Mail an podcast@gqmg.de.